Logo  
  Home über uns Geschichte Sponsoring Veranstaltungen Ochsen Geschichten (Video ca. 60 Min)
Skizze Ochsen
Skizze J. Hänni

GESCHICHTE

Aus der Geschichte der Wirtschaft / Taverne „Ochsen“ zu Urtenen

Zitate aus dem Fachbericht der kantonalen Denkmalpflege – Quellenstudien von Ester Adeyemi 2009/2010

Die Wirtschaft in Urtenen ist eines der wenigen ganz alten Gasthäuser, sie wird 1628 in den Schriften zur Reformation des Wirtschaftswesens erwähnt.
Laut diesen ist Amman Ruffen Besitzer der Wirtschaft zu Urtenen.

Der Gasthof zu Urtenen musste der Herrschaft Urtenen Bodenzins zahlen, im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde dieser Bodenzins wohl abgelöst. In einem Rodel des späteren 18. Jahrhunderts ist jedenfalls kein Tavernengeld mehr erwähnt.
Bis jetzt konnte kein weiteres Urbar der Herrschaft Urtenen gefunden werden.
Die Quellenlage für das 18. Jahrhundet ist - dank der zahlreichen Kontraktenmanuale, die bis 1720 zurückgehen - ausgezeichnet.
Darin findet sich u.a. ein Auskaufbrief von 1719.

Zu der Zeit war der Wirt auch für den Salzverkauf verantwortlich und es sind ent-sprechende Bürgschaftsbriefe in den Kontraktenmanualen zu finden.

Diese Aufgabe blieb dem jeweiligen Wirten bis mindestens 1763, da ist der Wirt
Jacob Hubacher auch Salzauswäger.

1736 kauft Gerichtsäss und spätere Weibel und Leutnant Bendicht Hubacher die Wirtschaft. In der Kaufbeillenschrift – verfasst von CM Notar Niclaus Meyer, Notarius zu Mattstetten - steht:
David Hooffman gebührtig von Oberburg, der Graffschafft Burgdorff, dismahl Wihrt zu Urtenen
verkauft Bendicht Hubacher, Gerichtsäss, und Lieuth zu gedachtem Urtenen, seine zu Urtenen besitzende Wihrtschafft und Tavernen Recht zum Ochssen genant, samt der Scheür darneben...
In den gleichen Schriften ist auch folgende Umschreibung der zum Haus gehörden-den „Reichtümer“ zu finden:
Die Wihrtschafft zu gedeütem Urtenen, mit ihrer Gerechtigkeit, Scheür und Kelleren, sambt allem Wein und Saltz, denne alles vorhandene Silbergschirr, aller Hausrath, Leinwandt, Bett- und Fädergwandt, Zinn-, Ehr-, Kupffer-, Eisen- Herdig- und Holtzig Geschirr, Item alle äsige Sachen, es seye Getreidt, Käsen, Ancken, Schmaltz, Unschlitt, Fleisch und dergleichen. Verners die vorhandenen fünff Pferdt, sambt zugehörigem Geschirr und zweyen Wägen, auch übrigen Sachen so zum Holtz und Veld gebraucht wirdt.

Wir dürfen davon ausgehen, dass die Wirtschaft zum Ochsen bereits um 1600 bestanden hat, heute also mehr als 400-jährig ist.
Der Name „Ochssen“ wird erstmals anfangs des 18. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem Tavernen Recht genannt.

Jakob Kurz erwähnt in seinem Buch „ Die Rechtsamegemeinde Urtenen“ (S. 170), dass vor 1798 im Ochsen die Sitzungen des Niedergerichtes stattfanden,
welches unter den Herrschaftsherren von Hindelbank stand, welchen auch die Tavernengebühr gehörte.

Sicher nicht zu belegen sein wird, dass Napoleon auf seiner Durchreise 1797, den Ochsen besucht habe. Napoleon hatte grosse Angst um sein Leben, er stieg in der Stadt Bern nicht aus der Kutsche und „sprengte“ in vollem Galopp Richtung Norden bis ihm bei Grafenried ein Kutschenrad in Brüche ging und er gezwungenermassen im Brunnen Fraubrunnen abstieg und die Reparatur abwarten musste, noch in der Nacht fuhr er weiter...

                       
Urs Wüthrich, Präsident Stiftung Ochsen Urtenen – 30.11.2010

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Aus der Geschichte der Liegenschaft Ochsen Urtenen – 2. Teil

Im Bericht der kantonalen Denkmalpflege vom 30.4.2009 von Hanspeter Ruch steht: „Es handelt sich beim Ochsen um ein Gebäude aus dem 17. Jahrhundert. ... Eine intensive Archivarbeit würde sicher Aufklärung bringen.“

Quellenstudien von Ester Adeyemi (2009/2010) ergaben erste wichtige Hinweise:
„Die Wirtschaft in Urtenen ist eine der wenigen ganz alten Gasthäuser, sie wird 1628 in den Schriften zur Reformation des Wirtschaftswesens im Staat Bern erwähnt.
Laut diesen ist Ammann Ruffen Besitzer der Wirtschaft zu Urtenen.
Der Gasthof zu Urtenen musste der Herrschaft Urtenen Bodenzins zahlen, im Laufe des 18. Jahrhundets wurde dieser Bodenzins wohl abgelöst (Auskaufbrief von 1719).
Der Wirt war auch für den Salzverkauf verantwortlich, es sind entsprechende Bürg-schaftsbriefe in den Kontraktenmanualen zu finden. Dieses Amt blieb bei dem jewei-ligen Wirten bis mindestens 1763, da ist Wirt Jacob Hubacher auch Salzauswäger.“
In derselben Zeit wird von einem grossen Brand berichtet:
„Jacob Hubacher hat vor 1753 die Wirtschaftsscheune neu aufgebaut (wahrschein-lich ist sie bei dem grossen Brand von 1739 zerstört worden).“
Als Besitzernamen in Urkunden erwähnt sind vielmals „Hubacher“, auch „Aeberhard“, „Rufer“, „Barthlome“, „Marti“, „Brönnimann“ und „Hänni“ werden genannt.

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts müssen wir von einem völlig andern Strassennetz ausgehen: die Verbindung ab Urtenen Richtung Süden gab es nicht, keine Brücke führte direkt über den Urtenenbach. Einzig durch eine „Furt“ im Bereich Stalden-Längenrüpp konnte man via Holzgasse direkt nach Süden zum Grauholz und Sand gelangen. Der See stand gut 5,5 m höher und weite Teile zwischen Moosseedorf und Urtenen standen oft unter Wasser, in Schönbühl gab es praktisch keine Gebäude, alles Moos- und Sumpfland!
Die Strassen um den Ochsen herum führten vom Oberdorf ins Unterdorf zur Mühle oder nach Mattstetten. Jegenstorf erreichte man vom Oberdorf aus via Kirchgasse.
Gute Fahrwege bestanden nur in West-Ost-Richtung an oder auf den Hügeln.

Als der Saat Bern in den Jahren 1756-58 die „schnurgerade Fahrstrasse“ von Schön-bühl nach Jegenstorf baute, musste am Ochsenstutz in Urtenen vermutlich ein Ge-bäude weichen, genaues dazu weiss man nicht. Jedenfalls änderte sich der Weg nach Bern ab dieser Zeit radikal. Gemeindebehörden von damals lagen sich mit dem Staat Bern in den Haaren, da nebst der Urtene auch der Gewerbekanal (vom Stalden bis zur äusseren Schmitte) überbrückt werden musste, die Gemeine wollte diese Kosten nicht tragen.
Diese „natürliche Grenze“ wurde damals mit einer geraden Linie auf dem Plan gebro-chen. Vermutlich ist mit dieser Grenze die Zuteilung der Dörfer zu den Kichgemein-den zu begünden. Moosseedorf, südlich de Moosseetales gehört zu Münchenbuch-see, Urtenen am nördlichen Rand des Tales zu Jegenstorf.

Das niedere Gericht wurde von den Herren aus Jegenstorf oder Hindelbank im Ochsen Urtenen abgehalten. Vermutlich könnten die Wände im Saal des 1. OG viele Gerichtsverhandlungen schildern, welche über Jahrhunderte hinweg darin stattfanden. Diese Amtshandlungen gaben dem Ochsen eine stattliche Bedeutung, es war ein gewichtiger Ort.

Im 20. Jahrhundert wurde viel politisiert am runden Tisch. Handwerker, Gewerbe-treibende und Bauern schmiedeten ihre Pläne und besprachen die möglichen Lösungen von Problemen in der Gemeinde.
Daneben trafen sich im Ochsen die bürgerlichen Parteien, die Hornusser, die Turner und die Milchzahlung des Käsers an die Bauern fand bis über 1970 hinaus im Stübli neben der Gaststube statt.

Rückblick auf die Arbeit der Stiftung

Seit 2010 versuchte der Stiftungsrat Lösungen zu finden
Dank den großzügigen Beiträgen der Gemeinde und der Burgergemeinde Urtenen, sowie maßgeblicher Unterstützung von Privaten, konnte im Juni 2010 die Stiftung gegründet und im Handelsregister eingetragen werden.
Bereits damals bestand ein Nutzungskonzept von Architekt Thomas Stettler (März 2010), welches vorsah, dass verschiedene öffentliche Nutzungen (Kulturraum, Galerie mit Ausstellungen, Jugendraum, Seniorama Zweigstelle, Vereins-/Übungs-lokal), ein Restaurant mit Catering im EG, Büros, Praxen, Verkaufsläden im Anbau und Wohnraum in den Obergeschossen entstehen sollten.
Die grobe Schätzung der Gesamtumbaukosten lag um oder knapp über 2 Millionen.
Gespräche mit Vertretern der kantonalen Denkmalpflege verunsicherten einerseits und zeigten in eine andere Richtung.
Ein „à Fond perdue - Beitrag“ (vom Lotteriefond via KDP) an die Baukosten wird höher ausfallen, wenn nicht stark kommerzielle Zwecke in der Nutzung gesetzt werden. Bessere Chancen haben ein öffentlicher Quartiertreff und analoge Einrichtungen.
Der Stiftungsrat konnte die Finanzierung dieser Ideen nicht sicherstellen und suchte nach Partnern. Insbesondere befasste er sich mit dem Parkplatzproblem. Viele Ideen und intensive Gespräche mit möglichen Nachbarn ergaben wenig, es blieb eine Mög-lichkeit offen, diese verfolgte man weiter.
2013 untersuchten und forschten die Archäologen
Schon seit 2011 versuchten wir im Innern des Gebäudes mehr über das Alter und die Bauetappen zu erfahren. Damit dies fachkundig erfolgen kann, müssen Archäologen einerseits guten Zugang zu allen Gebäudeteilen erhalten und andererseits viel Zeit in Feinarbeit investieren. Im Juni 2012 erhielten wir vom Denkmalpfleger die Zusage, dass im Frühjahr 2013 umfangreiche Forschungsarbeiten im Haus stattfinden.
Unter Anleitung der Fachleute (Projektleiter Markus Leibundgut) entfernten wir in Eigenarbeit Wand- und Deckenverkleidungen aus jüngsten Umbauzeiten, zudem wurde in der Gaststube der obere Holzboden heraus gerissen. Schreinermeister Tüscher (sen.) erhielt den Auftrag die wertvollen uralten Wand- und teilweise die Deckentäfer  fachgerecht zu bergen und lagern, fast alle Teile waren mit handge-schmiedeten Nägeln fixiert.
Sehr viele Details konnten geklärt, schöne Funde (u. a. Münzen) dokumentiert und gesichert werden. Der sehr umfangreiche und exakte Bericht über die archäologi-schen Untersuchungen konnte erst im Sommer 2014 gedruckt werden. Im Januar 2014 anlässlich eines „Tages der offenen Türen“ gab es folgendes zu hören:
Der Ochsen ist in sehr vielen Etappen erbaut und erweitert worden. An den Keller-mauern – beim Gewölbekeller mitten unter dem Hauptgebäude – ist belegbar, dass die Mauern aus dem 14. oder 15. Jahrhundert (Mittelalter) stammen, Mauern sind nicht klar datierbar, sicher aber darf man behaupten, dass vor 1400 be-reits ein Keller gebaut war und damit der Ochsen-(keller) das älteste Gebäude in Urtenen ist.
Die Altersanalyse der Holzbalken ergab, dass die Bäume im 17 Jahrhundert (um 1620) geschlagen wurden. Umbauten wurden immer mit dem an Ort vorhandenen Material und neu geschlagenem Holz erstellt, daher ist es sehr schwierig diese zu datieren.  Zuletzt entstand sicher der Anbau an der Ostseite zur Solothurnstrasse, hier gibt die Jahrzahl am Türfries Auskunft: 1868. Damals wurde vermutlich der Zugang über eine Außentreppe zur Laube 1. OG entfernt und im Innern die Wendel-treppe erstellt.
Beim Entfernen von Deckentäfer im 1. OG kamen sehr alte elektrische Installationen zu Vorschein, u. a. drei Schraubsicherungen. Bekannt war uns die Deckeninstallation in der Gaststube mit den Porzellanglöcklein und den parallel  laufenden Leitern zu jeder Lichtstelle...
Der Ochsen ist eines der ersten Gebäude in Urtenen gewesen, welches ans Netz „Elektra“ angeschlossen wurde. Es wurde am 24. März 1904 in Betrieb genommen. Der Gasthof gehörte damals Ernst Hänni, er war von 1915 – 1922 Vizepräsident des Verwaltungsrates der Genossenschaft Elektra.
Dank diesen Funden und Tatsachen entstand unsere Idee bei der Restauration alt- und neu bei den elektrischen Installationen zu zeigen, quasi als kleines Museum der elektrischen Installationen. Unter dem Titel vom Anfang der Elektrizität bis zur Fotovoltaik ist alles zu sehen.
Unsere Anfrage bei der Denkmalpflege ergab, dass wir auf dem Dach westlich sicher Fotovoltaik-Elemente montieren können.
2015 und 2016 – Thema: Umbaukosten senken, Anbauten weg, verkleinern ?
Anstelle des „jüngsten Anbaus“ im Osten könnte eine Treppe in die Obergeschosse erstellt werden, da aber darunter der Eis- und Bierkeller liegt, ist die Liftverbindung kaum möglich... den Lift freistehend vor die Nordfassade – kaum lösbar. Fakt bleibt: den Lift von der Oberdorfstrasse her im Keller zugänglich machen und bis auf das Dachgeschoss führen ist die beste Lösung.
Sicher ist, dass der störende WC-Anbau entfernt und nicht ersetzt wird, die Fassade westlich zur Oberdorfstrasse soll vollständig neu werden, die andern drei Gebäude-seiten bleiben.
Wenn man das Gebäude von Süden her betrachtet, erkennt man die alte symmetri-sche Form. Ergibt dies eine Verkleinerung. Die dazu erstellten Skizzen (Anbau West
zurückbauen) legen wir der Denkmalpflege vor und der Entscheid lautet: die Fassade Süd muss bleiben wie sie ist.
Alle diese Überlegungen entstanden auch im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Gärtli, dem Stützmauerbau im Zusammenhang mit der Neugestaltung der Solo-thurnstrasse – das Ergebnis auf dieser Seite lässt sich sehen, ist gut gelungen!
2017 – nochmals Partnersuche...
Die schlafenden Verhandlungen mit dem Nachbarn fanden leider keine Fortsetzung.
Hier sahen wir eine Lösung für das PP-Problem, schade.
Hoffnung keimte auf, als ein Interessent eine Liegenschaft suchte, um Verkaufs- und Präsentationsräume einzurichten. Kurz darauf erhielten wir den Bescheid, dass er sich für eine anderes Objekt entschieden habe.

Der Ochsen Urtenen ist das historisch wichtige Gebäude im Dorf und soll es bleiben.
Urs Wüthrich – März 2018

 

Geschichte
Teil 1 und 2
zum Download (.pdf)

Dez. 2010
upd.: April 2018
Präsident: Urs Wüthrich    Sekretariat/Administration: Romina Bucher, Zentrumsplatz 8, 3322 Urtenen-Schönbühl, Tel. 031 850 60 72